Die Kunst, Verbindungen zu Unbekannten aufzubauen
10. Februar 2024
Ein berühmtes Zitat von Francis Bacon lautet: „Wenn ein Mensch gnädig und höflich zu Fremden ist, zeigt das, dass er ein Bürger der Welt ist.“ Dieses Zitat weist auf die Wichtigkeit des Aufbaus von Beziehungen zu Unbekannten hin. Es ist eine Fähigkeit, die uns nicht nur hilft, uns in der Welt zurechtzufinden, sondern auch, uns in ihr zu behaupten.
Inhaltsverzeichnis
Erste Begegnungen und der Wunsch nach Verbindung
Bei einem kürzlichen Arztbesuch fiel ein zurückhaltender Krankenpfleger auf. Er vermied den Blickkontakt und führte kaum Gespräche, während er die Vitalfunktionen überprüfte. Obwohl klar ist, dass ein Arzttermin kein gesellschaftliches Ereignis ist, war der Wunsch nach einer gewissen Verbindung spürbar. Deshalb wurde während der Blutabnahme die Frage gestellt: „Wird Ihnen dabei jemals schwindelig? Ich glaube, ich würde ohnmächtig werden!“
Der Krankenpfleger lachte und erzählte, dass er sich daran gewöhnt hatte, schließlich übte er seinen Beruf schon seit 15 Jahren aus. Sein Lächeln hinterließ einen tiefen Eindruck, weil klar wurde, dass dieser Moment hätte vergehen können, ohne es zu sehen. Es wurde deutlich, wie wertvoll es ist, kleine Momente mit Fremden zu teilen und wie dankbar man ist, wenn man die Möglichkeit hat, Menschen außerhalb des Kontextes ihrer Rollen zu sehen.
Verbindung jenseits von Rollen
Es ist ein besonderer Moment, wenn man mit dem Barista im Café eine Verbindung aufbaut, weil er erkennt, dass man dasselbe Handy hat. Oder wenn man mit dem Schülerlotsen lacht, weil man beide weiß, wie es ist, von lauten Kindern umgeben zu sein. Plötzlich sind wir nicht mehr durch die Rollen, die wir spielen, begrenzt, sondern sehen uns als Menschen, die genau wie wir sind.
Intimität gegen Einsamkeit
Kürzlich wurde gelesen, dass Verbindung nicht das Heilmittel gegen Einsamkeit ist – Intimität ist es. Dies scheint wahr zu sein. Man kann unzählige Bekanntschaften haben und sich doch so fühlen, als ob einen niemand wirklich kennt. Wir müssen wirklich von Menschen gesehen und erkannt werden, aber wir können auch viel von diesen kurzen Begegnungen mit Fremden geben und empfangen.
Die Freude an flüchtigen Begegnungen
Jeden Tag kommen wir mit Hunderten von Menschen in Kontakt, ohne sie jemals über ihre Gesichter in der Menge hinaus zu kennen. Es ist verlockend, Menschen in Gruppen einzuteilen – die Menschen, die man kennt, und die Menschen, die man nicht kennt. Aber es gibt etwas unglaublich Befriedigendes daran, die Grenzen ein wenig zu verwischen. Es ist nicht möglich, jeden kennenzulernen. Aber es ist möglich zu wissen, dass man einen echten Moment geteilt hat und einen Unterschied im Tag des anderen gemacht hat.
Fazit
Die Fähigkeit, Verbindungen zu Unbekannten aufzubauen, ist eine Kunst, die uns hilft, uns in der Welt zu behaupten. Sie ermöglicht es uns, über die Rollen hinauszusehen, die wir spielen, und uns als Menschen zu erkennen, die genau wie wir sind. Diese flüchtigen, aber bedeutungsvollen Begegnungen können einen Unterschied in unserem Tag machen und uns ein Gefühl von Zugehörigkeit und Verständnis in der Welt vermitteln.