Die Kunst, sich selbst zu vergeben: Umgang mit Selbstkritik

11. Februar 2024 Von chrissi 0

Das Zitat von Martin Luther King, Jr. „Wir müssen endliche Enttäuschungen akzeptieren, aber niemals die unendliche Hoffnung verlieren“ gibt einen passenden Startpunkt für die Diskussion des Themas Selbstkritik und Selbstvergebung. Die Worte „Ich kann nicht glauben, dass ich das wieder vermasselt habe!“, „Warum habe ich das getan?“ oder „Das ist alles meine Schuld!“ sind Ausdrücke, die viele Menschen in Momenten der Selbstkritik verwenden. Ein solcher Moment kann sich zum Beispiel nach einem Unentschieden im Fußballspiel ergeben, wie im Fall eines Drittklässlers, der sich nach einem Unentschieden seines Teams auf dem Fußballplatz selbst abwertet.

Die Folgen exzessiver Selbstkritik

Die Selbstkritik des Jungen ist so stark, dass er sein Selbstwertgefühl direkt mit der Leistung seines Teams verknüpft. Er sieht das Unentschieden als persönliches Versagen und reagiert darauf mit Selbstabwertung. Seine Mutter, die auf ihn im Parkplatz wartet, hofft, dass er sich von dem empfundenen Misserfolg erholen kann, bevor sie nach Hause fahren. Doch sie ist auf seine übliche Selbstkritik vorbereitet. Als er ins Auto steigt, fragt sie ihn, wie es ihm geht. Seine Antwort ist einfach: „Schlecht. Wir haben wieder unentschieden gespielt.“ Trotz ihrer aufmunternden Worte bleibt er bei seiner selbstkritischen Haltung.

Die Selbstkritik kann so weit gehen, dass man sich selbst als „Idiot“ bezeichnet und sich dafür entschuldigt, nicht über das Spiel sprechen zu wollen. Dieses Verhalten zeigt, wie stark die Selbstkritik bei einigen Menschen sein kann. Es ist auch ein gutes Beispiel dafür, wie Selbstkritik das allgemeine Wohlbefinden beeinträchtigen kann.

Die Entwicklung der Selbstkritik

Die Selbstkritik kann sich über die Jahre hinweg entwickeln und in verschiedenen Lebensphasen unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Anfangs kann die Selbstkritik sogar als positiv empfunden werden, da sie zu hohen Erwartungen an sich selbst und zu dem Bestreben führt, Perfektion zu erreichen. Doch wenn die Perfektion nicht erreicht wird, kann die Selbstkritik zu Selbstbestrafung führen. Diese kann sich in Form von Wutausbrüchen, Selbstisolation oder sogar körperlicher Selbstverletzung äußern. Dieser Zyklus kann sich fortsetzen und zu einem ständigen Gefühl der Unzulänglichkeit führen.

Die Rolle der Bildung bei der Bewältigung von Selbstkritik

Die Bildung kann eine wichtige Rolle bei der Bewältigung von Selbstkritik spielen. Ein Beispiel dafür ist ein Konfliktlösungskurs, der das Bewusstsein für die negativen Auswirkungen von Perfektionismus und Selbstkritik schärfen kann. Der Kurs kann auch dazu beitragen, Empathie in der Kommunikation mit anderen zu fördern und die Fähigkeit zur Selbstvergebung zu entwickeln. Die Selbstvergebung kann dabei helfen, die ständige Selbstkritik zu mildern und zu einem gesünderen Selbstbild zu führen.

Therapie als Weg zur Selbstvergebung

Die Therapie kann ein effektives Mittel zur Bewältigung von Selbstkritik sein. Sie kann dabei helfen, die eigenen Gedanken und Gefühle aus einer dritten Perspektive zu betrachten und so mehr Empathie für sich selbst zu entwickeln. Die Therapie kann auch dabei helfen, die Ursachen der Selbstkritik zu erkennen und zu verstehen, wie sie das eigene Verhalten und die eigene Wahrnehmung beeinflusst. Dabei kann es hilfreich sein, zu erkennen, dass einige Misserfolge nicht auf mangelnde Anstrengung oder Intelligenz zurückzuführen sind, sondern auf Umstände, die außerhalb der eigenen Kontrolle liegen.

Die Rolle der Umwelt bei der Entwicklung der Selbstkritik

Die Umwelt kann einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Selbstkritik haben. So können beispielsweise familiäre Umstände oder die genetische Veranlagung zu psychischen Erkrankungen wie bipolaren Störungen oder Depressionen dazu beitragen, dass Menschen zu starker Selbstkritik neigen. Die Erkenntnis, dass die Selbstkritik zum Teil auf Umstände zurückzuführen ist, die außerhalb der eigenen Kontrolle liegen, kann dabei helfen, sich selbst mehr zu vergeben.

Die Gefahr der Schuldzuweisung

Die Schuldzuweisung kann jedoch auch zu einem neuen Zyklus der Selbstkritik führen. So kann die Wut auf diejenigen, die für die eigenen Probleme verantwortlich gemacht werden, zu noch mehr Selbstkritik und Selbstvorwürfen führen. Es ist daher wichtig, einen gesunden Umgang mit der Schuldzuweisung zu finden und zu lernen, die Vergangenheit zu akzeptieren und sich selbst zu vergeben.

Die Akzeptanz als Schlüssel zur Selbstvergebung

Die Akzeptanz kann ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Selbstvergebung sein. Sie kann dazu beitragen, die Selbstkritik zu mildern und ein positiveres Selbstbild zu entwickeln. Dabei kann es hilfreich sein, zu erkennen, dass man nicht seine Gedanken und Gefühle ist, sondern die Handlungen, die man aufgrund dieser Gedanken und Gefühle ausführt. Die Akzeptanz kann auch dazu führen, dass man die eigenen Gedanken und Gefühle als Teil der eigenen Persönlichkeit schätzt und sie nicht als etwas Negatives betrachtet.

Die Bedeutung der Werte

Die eigenen Werte können eine wichtige Rolle bei der Bewältigung von Selbstkritik spielen. Sie können dazu beitragen, die eigenen Handlungen zu leiten und nicht von der Selbstkritik bestimmt zu werden. So kann man beispielsweise trotz Selbstzweifeln und negativen Gedanken in Übereinstimmung mit den eigenen Werten handeln.

Die Rolle der Selbstkritik

Die Selbstkritik kann auch positive Aspekte haben. Sie kann zum Beispiel zu einem trockenen Sinn für Humor, einem starken Verbesserungsdrang oder dem Triumph führen, zu erkennen, dass man trotz Selbstzweifeln und negativen Gedanken in Übereinstimmung mit den eigenen Werten handeln kann. Es ist daher wichtig, die Selbstkritik nicht vollständig zu verwerfen, sondern einen gesunden Umgang mit ihr zu finden.

Strategien zur Bewältigung von Selbstkritik

Es gibt verschiedene Strategien, die dabei helfen können, mit Selbstkritik umzugehen. Eine mögliche Strategie besteht darin, tief durchzuatmen und sich zu fragen, ob der selbstkritische Gedanke hilfreich ist. Wenn der Gedanke nicht hilfreich ist, kann man sich bei seinem Geist für den Input bedanken und dann entsprechend den eigenen Werten handeln, anstatt sich von der Selbstkritik leiten zu lassen. Es ist wichtig zu erkennen, dass man nicht in einer bestimmten Weise fühlen oder bestimmte Gedanken haben muss, um gemäß den eigenen Werten zu handeln.

Fazit

Die Selbstkritik ist ein komplexes Phänomen, das sowohl positive als auch negative Auswirkungen haben kann. Während sie zu hohen Erwartungen an sich selbst und zu einem starken Verbesserungsdrang führen kann, kann sie auch zu Selbstbestrafung, Selbstzweifeln und einem negativen Selbstbild führen. Es ist daher wichtig, einen gesunden Umgang mit der Selbstkritik zu finden und Strategien zur Selbstvergebung zu entwickeln. Dabei können Bildung, Therapie, Akzeptanz und die eigenen Werte eine wichtige Rolle spielen.